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Quelle: Solinger Tageblatt
11.09.2010

Felgenanalagen Know-how

Schmitz Im Industriegebiet Scheuren setzt die Firma »Kieserling«-Maschinen in Stand.
2008 schickt sie eine Felgenanlage nach Indien.


Die Globalisierung in Solingen ist 120 Meter lang, 120 Tonnen schwer und besteht aus 18 einzelnen Maschinen. Das sind die Maße einer Felgenanlage von »Kieserling & Albrecht«, die zur Zeit von der Firma Schmitz Apparate- und Maschinenbau runderneuert wird. Sie kam aus England zurück nach Hause – dort hat sie 20 Jahre Dienst getan. Anfang 2008 wird sie nach Indien verschifft, um dort weiter Felgen herzustellen.
Konstantin Althajmer, Betriebsleiter der Firma Schmitz, mit Einzelteilen der Felgenanlage – in der angemieteten Halle am Mangenberg. »Die Produktion von Felgenanlagen ist wieder da, wo sie hingehört«, sagen Konstantin Althajmer und Dieter Zimmermann stolz. Zimmermann ist Geschäftsführer der Firma Hess in der Schweiz – sie übernahm die Felgenherstellung nach dem Kieserling-Verkauf – und hat früher selbst bei Kieserling an der Felgenanlage mitgearbeitet. Auch Althajmer, heute Betriebsleiter der Firma Schmitz, war 18 Jahre bei Kieserling beschäftigt. Zwei Weggefährten von einst arbeiten in neuen Funktionen weiter gut zusammen. »Kieserling, das ist ein Stück Solinger Geschichte, viele waren dort beschäftigt oder haben einen Verwandten, der dort gearbeitet hat«, sagt Althajmer. Das Fachwissen sitzt weiterhin in Solingen, die Klingenstadt bleibt der Nabel der Welt in dieser Episode der Globalisierung.

Carsten Prinz etwas, »Ex-Kieserlinger«, hat ähnliche Felgenlinien früher neu gebaut, jetzt setzt er sie in Stand. »Es ist immer eine schönes Gefühl, mit den alten Maschinen zu arbeiten. Ich war schon in England dabei, um die Felgenlinie zu begutachten.« Eine Instandsetzung lohne sich nur, wenn höchstens 30 bis 40 Prozent der Teile ausgetauscht werden müssten. Überholt werden muss alles, schließlich wurden mit der Maschine 20 Jahre lang im Dreischichtbetrieb Felgen hergestellt.


60 bis 70 Solinger haben Arbeit durch die alten Kieserling-Maschinen
Er kennt die Maschinen genau, prüft mit gelerntem Blick – und hat beim Umbau einige Herausforderungen zu meistern. »Die alten Normmotoren stammen von einer Firma, die es schon lange nicht mehr gibt. Also müssen wir neue Motoren einbauen, die dieser Norm entsprechen.« Wahrscheinlich wird er auch mit nach Indien fliegen, um mit seinem Wissen vor Ort zu sein. So ganz versteht man es ja nicht: Die gleichen Leute arbeiten an den gleichen Maschinen von Kieserling, die auf dem Markt weiterhin sehr begehrt sind. Aber so ist sie eben, die Globalisierung. »Die Hauptsache ist doch: Das Fachwissen ist bei uns geblieben. Und 40 Leute bei Schmitz und insgesamt 60 bis 70 Solinger haben dadurch eine Arbeit«, sagt Althajmer.

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